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Der gelernte Buchhalter, seit 1931 Mitglied in der NSDAP und seit 1932 in der SS, verrichtete in mehreren Konzentrationslagern seinen Dienst. Unter anderem war er vom Oktober 1942 an Kommandant im KZ Struthof-Natzweiler, danach vom Mai bis November 1944 Kommandant in Auschwitz-Birkenau.
Kramer ermordete die 29 Frauen und 57 Männer, deren Leichen vom SS-”Ahnenerbe” für eine Skelettsammlung an der Reichsuniversität Straßburg bestimmt waren. Über seinen Anteil an dem Verbrechen gab er folgenden Bericht. Er beginnt mit dem Mittwoch, 11. August 1943, abends um 21 Uhr, als SS-Männer die ersten 15 der 86 Auschwitz-Häftlinge abholten und mit einem offenen Lastwagen zum »Struthof« fuhren. Kramer befahl ihnen laut eigener Darstellung, dass sie in den Desinfektionsraum gehen müssten, sagte ihnen aber nicht, was ihnen tat-sächlich bevorstand.
Kramer weiter: »Mit Hilfe einiger SS-Leute kleidete ich sie vollständig aus und schob sie in die Gaskammer, als sie vollständig nackt waren. Als die Türe geschlossen war, fingen sie an zu brüllen. Nachdem die Türe geschlossen war, führte ich durch ein Rohr, das oben rechts vom Guckloch angebracht war, eine gewisse Menge von Salzen ein. Sodann schloss ich die Öffnung des Rohres mit einem Kork, der am Ende dieses Rohres angebracht war. Dieser Kork hatte ein Metallrohr. Dieses Metallrohr schleuderte das Salz und Wasser in die Innenseite der Öffnung der Kammer, von der ich gesprochen habe. Ich beleuchtete die Innenseite des Raumes mittels eines Schalthebels, der in der Nähe des Rohres angebracht war, und beobachtete durch das Guckloch, was innerhalb des Raumes vor sich ging. Ich habe gesehen, dass diese Frauen ungefähr noch eine halbe Minute geatmet haben, bevor sie auf den Boden fielen. Nachdem ich die Ventilation innerhalb des Schornsteines in Bewegung gebracht hatte, öffnete ich die Türen. Ich fand diese Frauen leblos am Boden liegen, und sie waren voll bedeckt mit Ausscheidungen. Am nächsten Morgen sagte ich zu den Krankenpflegern der SS, die Leichname in einen kleinen Wagen zu legen – es war ungefähr um 5.30 Uhr –, damit sie in das anatomische Institut gebracht werden könnten, so wie mich Professor Hirt gebeten hatte. Einige Tage später brachte ich unter den gleichen Umständen wiederum eine gewisse Anzahl von Frauen in die Gaskammer, die auf diese Weise vergast wurden. Einige Tage später ging ich wiederum in die Gaskammer, und das wiederholte sich ungefähr zwei oder drei Mal, bis 50 oder vielleicht auch 55 mit den Salzen, die Hirt mir gegeben hatte, getötet waren.«
Kramer konnte offenbar nicht mehr bis 86 zählen, denn 86 Frauen und Männer, und nicht 55, wurden in der Gaskammer vergiftet. Vermutlich verteilte Kramer die Mordaktion auf vier Abende. Nachdem er am 11. August in einem ersten und wahrscheinlich am 13. August in einem zweiten Durchgang die Frauen umgebracht hatte, nahm er sich an zwei weiteren Abenden zwischen dem 14. und 21. August die Männer vor. Wenn zutrifft, was vier ehemalige Gefangene des Lagers aus Luxembourg als Zeugen ausgesagt haben, dann war dies am 17. und 19. August der Fall. Man wird sich die Einzelheiten nicht dramatisch genug vorstellen können. Als einige der Leichen eineinhalb Jahre später im Keller des Anatomischen Instituts gefunden wurden, konnten bei den Autopsien auch zahlreiche Prellungen und Quetschungen festgestellt werden, die diesen Abenden zuzuordnen sind. Denn mit Sicherheit lassen sich keine 15 Personen ohne Zwang, nackt, in einen nur 2,40 Meter breiten, 3,50 Meter tiefen und 2,60 Meter hohen, dunklen Raum schicken. In verschiedenen Quellen wird behauptet, dass an einem dieser Abende eine Frau, zwei Frauen oder ein Mann auf der Flucht oder wegen Widerstands erschossen wurde. Ich halte diese Darstellungen für falsch, denn sie stammen von Zeugen vom Hörensagen. Dies wird in meinem Buch begründet.
Kramer wurde am 17. November 1945 von einem britischen Militärgericht in Lüneburg zum Tode verurteilt und am 13. Dezember 1945 in Hameln hingerichtet.
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